Huaraz und höher

Saul organisiert uns ein Taxi und wir fahren das erste Mal in die Höhe, genauer in die Cordillera Negra, die Berge ohne Schnee und Eis gleich gegenüber der Blanca, unserem eigentlichen Ziel. Ehrfürchtig und motiviert studieren wir das 6000er Panorama gleich östlich von Huaraz.

 

Ein weiterer Tagesausflug bringt uns zur Laguna Churup, gleich unterhalb des gleichnamigen 5000ers, dem Nevado Churup (5493m), dessen Südwestwand - im Vergleich zum Foto aus unserem Führer - stark unter der allgemeinen Erwärmung gelitten hat. Die Firntour ist wohl jetzt eine Mixedtour. Die Laguna Churup liegt bereits im Parque Nacional Huascarán. Ein Ranger auf Motorrad verkauft uns den 21tägigen Eintrittpass für 65 Soles.

 

Die nächsten sechs Tage verbringen wir im Quebrada Ishinca, einem idealen Tal zur Aklimatisation. Nach einer gut einstündigen Taxifahrt über holprige und kurvige Strassen erreichen wir das Örtchen Pashpa, wo wir unseren arriero mit seinen burros treffen und von wo wir ins Tal laufen.

Auf 4350m - also  bspw. auf dem Gipfel der Dent Blanche -  schlagen wir unser Basecamp auf. Das erste Ziel am folgenden Tag ist der Urus (5420m), welcher direkt vom Bascamp, also ohne Hochlager, erreichbar ist. Nach fünf Stunden und 1040 Höhenmeter stehen wir auf dem Gipfel, die Luft ist bereits dünn und wir atmen schnell. Auch der Abstieg ist hart, wir sind noch schlecht aklimatisiert und die Höhe steigt uns in den Kopf. Paracetamol - der Freund und Helfer.

Ishinca (5530m) für unsere Frauen und Ranrapalca (6162m) für die Männer stehen weiter auf unserer Ticklist. Vom Biwak "Longhi", einer Hütte mit Cheminée, zwar ohne Holz aber trotzdem schön, und 16 Schlafplätzen auf 5000m gehen wir die erwähnten Gipfel an. Wegen akuter Höhenkrankheit muss das Frauenteam nach ca. 300 Höhenmeter wieder absteigen. Auch im Männerteam läuft nicht alles rund. Das Topofoto unserer Route, der Nordostwand, koreliert überhaupt nicht mit der Realität. Der Gletscher ist zweimal aufgerissen anstatt schön verfirnt. Es hat keine Spur. Über den ersten Abbruch kommen wir ziemlich gut und können anschliessend durch den hier bekannten Büsserschnee weitersteigen. Den zweiten, riesigen Gletscherabbruch versuchen wir rechts über den Grat zu umgehen. Leider müssen wir auf 5850m umkehren. Der Grat ist mit - hier ebenfalls bekannten - Corniches verdeckt. Corniches entstehen vom Wind. Es sind gefährliche Wechten auf Gräten aus Schnee und Eis, bei welchen man nie sicher sein kann, ob sie einen halten oder ob man mit ihnen vom Grat fällt. Wir steigen wieder zurück in den Ishinca-Ranrapalca Col und besteigen den Ishinca.

Tocllaraju (6032m) ist der schönste Berg im Ishincatal. Die Route über den Nordwestgrat ist eine perfekte Firntour mit moderatem Eisklettern, einer ausgesetzten Querung und einem interessanten Gipfelaufschwung. Vom Moränencamp auf knapp 5000m gehen wir morgens um drei Uhr los, Bereits am Vortag haben wir  Schneefahnen gesehen, auch heute fegt der Wind erbarmungslos über den Gletscher. Trotzdem kommen wir gut voran und erreichen - nach dem Durchstieg eines imposanten aber ungefährlichen Gletscherabbruchs - bei Tagesanbruch den Nordwestgrat. Der Wind bläst immer noch heftig und wir müssen aufpassen, dass wir auf den Beinen bleiben. Der Sonnaufgang entschädigt die Schinderei im Wind. Das Licht, die Aussicht - umwerfend! Um 07:15 stehen wir auf dem Gipfel! Top!!


Alexander Gammeter

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Kommentare: 4
  • #1

    Raffi (Frank) (Mittwoch, 29 Juli 2015 18:23)

    Das sieht ja super schoen aus wo Ihr Euch da rum treibt und dank dem Blog kann ich sogar ein bisschen mitreisen ;)

  • #2

    Virginia (Mittwoch, 29 Juli 2015 21:14)

    Schöni Fotos! Wünsche nech ganz viu Spass u häbet Sorg...

  • #3

    Christine (Montag, 03 August 2015 21:13)

    Geits euch guet? D Foeteli gseh super us. Jitz sit dir sicher scho besser aklimatisiert.
    Mir hei wieder heiss u geniesse dr Summer:-))))).

  • #4

    DaDy (Frank) (Dienstag, 11 August 2015 14:04)

    Das ist eine sagenhafte Tour die Ihr da macht. Ich bewundere das - ich könnt das nicht. Ich glaub ich würde schon ab 4000 Meter Höhenkrank :-D. Alles Gute für Eure weiteren Touren und passt auf Euch auf!