Quebrada Llanganuco

Die folgenden sieben Tage verbringen wir im Quebrada Llanganuco, einem Tal umzingelt von insgesamt 8 Sechstausendern. Das Frauenteam plant den Pisco Oeste (5752m) und den Yanapaccha (5460m) zu besteigen. Huandoy Norte (6395m) und Chacraraju Este (6001m) stehen beim Männerteam auf dem Plan. Vorbei am Refugio Peru erreichen wir am ersten Tag zusammen das Moränencamp auf 4900m. Mit dem Feldstecher sichten wir in der Nordostwand bzw. in unserer Route auf den Huandoy nach einem 400m Couloir einen riesigen Gletscherabbruch mit mächtigen Seracs. Die Normalroute ist also zur Zeit unmöglich geworden und wir entscheiden uns für die Ostwand, welche bis auf den letzen Sechstel sehr gut aussieht. Um 02:00 geht’s los. Bidu führt uns im Dunkeln über den doch sehr unwegsamen Gletscher zum Couloir der Normalroute. Wir merken, dass wir keine Chance haben den Gipfel zu erreichen bei diesen Schneeverhältnissen. Schon nur kleinere gegen Osten und Süden ausgerichtete Aufschwünge können wir nur mit viel Mühe und mächtig Spurarbeit überwinden. Von Saul, unserem Hotelier und Bergführer, wissen wir, dass auf den “kleinen” Huandoy Este (6000m) ein Grat hochzieht, der manchmal kletterbar sei. Wir hoffen, den Grat nordseitig (hier die Sonnenseite) in Fels und Firn klettern zu können. Durch den Schnee stampfend erreichen wir eben diesen Grat und müssen auch hier feststellen, dass viel zu viel Schnee drin ist. Was nun? Jedenfalls genug vom Spuren. Also über den Südwestgrat auf den Pisco. Zusammen mit den Frauen stehen wir am Mittag auf dem Pisco Oeste. Ein überwältigendes Panorama vom Gipfel!

Der viele Nicht-Trittschnee in den Südwänden (hier die Schattenseite) bewegt uns dazu, unseren Plan (Jägerroute am Chacraraju) zu überdenken.  Am Anfang der Saison war häufig schlechtes Wetter hier, el Niño hat gewütet. Es ist wohl so, dass dieses Jahr die Südwände übermässig viel Schnee haben.  Unsere Vermutungen bestätigen sich im Niedergang einer mächtigen Staublawine aus der Südwand bzw. der French Direct des Chacraraju Oeste, unseres Nachbarberges.  Es ist nun definitiv - wir lassen die Jägerroute warten.

Chopicalqui (6354m) by fair means, also ohne burro, ariero, high altitude porter und was es sonst noch alles gibt, ist nun unser Ziel. Ein Teil des Teams ist nicht wirklich motiviert für eine weitere “Schinderei” in der Höhe, so ziehen nur Eli, Julia, Wasem und ich vom Basecamp (3900m) los Richtung Moraine Camp (4800m). Eli fühlt sich leider nicht gut und muss nach ca. 2h den Abstieg in Angriff nehmen. Noch zu Dritt sind wir zusammen mit drei Spaniern am späten Nachmittag im sonnigen Moraine Camp der Chopicalqui Südwestgratroute. Allgemein hat es kaum Bergsteiger in der Region. Bereits im Ishincatal ist uns aufgefallen, dass stets nur ein paar wenige andere Zelte in den Lagern waren, obwohl dieses zu den beliebtesten Tälern zählt.
Gemütlich gegen 10 Uhr sind wir am nächsten Tag ready für den Zustieg zum Glaciercamp auf 5500m. Die Sonne ist unglaublich stark auf dem Gletscher. Den Nachmittag verbringen wir teils im “Saunazelt”  und teils auf der “Ultratanningstation” vor dem Zelt. Schatten gibt es nicht.
Am nächsten Tag ab ca. 01:00 Uhr machen sich die Spanier lautstark bereit für den summit push. Unsereins starten um drei Uhr Richtung Gipfel. Nach verschiedensten, kleineren und grösseren Spaltenquerungen und -sprüngen holen wir die Spanier auf dem Col ein und können die erste Steilstufe in der Morgendämmerung in Angriff nehmen. Zum Glück hat es eine alte Spur, welche uns trägt. Wir kommen zügig voran. Auf knapp 6200m scheint uns die Sonne ins Gesicht, es ist windstill, die Aussicht ist atemberaubend! Buchstäblich atemberaubend sind auch die letzen Höhenmeter über den Grat zum Gipfel. Kurz nach 08:00 Uhr stehen wir auf dem Chopicalqui. Nicht eine einzige Wolke verhindert die Aussicht. Saugööd!! Im Abstieg kreuzen wir noch die Spanier. Suerte, suerte! Sí, sí, vamos!

Nach einer 3,5h Taxifahrt aus dem Quebrada Llanganuco nach Huaraz stürzen wir uns zuerst über papas fritas con pollo und danach bis tief in die Nacht, begleitet von jarras de pisco sour, ins Nachtleben.

Alexander Gammeter

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Kommentare: 3
  • #1

    Sophie H (Donnerstag, 06 August 2015 09:13)

    Toll, dass ihr das so aufschreibt! Viel Spaß weiterhin!!!

  • #2

    Wasem (Donnerstag, 06 August 2015 15:41)

    Que bien escrito y que fotos maravillosas!! Que sigais asi en forma y disfrutar de esa naturaleza tan fastastica!!!!
    Un abrazo muy grande para todos y como no....en especial para Tati
    La mama

  • #3

    Christine zech (Sonntag, 09 August 2015 22:29)

    Wow, ich bin schwer beeindruckt, - diese elementare Welt, so erhaben ...