Paramount, Ski und Gletscherspalten

Wie der Titel vermuten lässt, ist unser nächstes Ziel der Artesonraju (6025m). Er ist stolzer Logogeber für Paramount-Picture und gilt in einem sogenannten Berg-Schöhnheits-Ranking nach dem Alpamayo als zweitschönster Berg Südamerikas. Der Anblick des Artesonrajus lässt Skifahrerherzen höher schlagen. Die Südostflanke wurde bereits im Jahre 1979  von Patrick Vallencant erstbefahren. Klimawandel und Gletscherschwund hin oder her, wir packen unsere Skis ins Taxi und wollen eben diese Flanke ebenfalls fahren. Wasem und mich begleitet Ädu Guggisberg, ein Berner und Biker (www.to-adi.ch) , welchen wir im Ishincatal kennenlernten.
Nach 2,5h Stunden Taxifahrt von Huaraz ins Quebrada Parón müssen wir unsere Skiausrüstung selber satteln (no burros por el Paron, da zu unwegsam). Links einer fast kitschigen Lagune entlang führt der weg ins Basislager. Das Wetter in Richtung Moränencamp sieht sehr schlecht aus und wir entscheiden uns für eine Nacht im Basislager. Bald kommt echte Basecampstimmung auf - Regen, Wind und zu Dritt im Zelt…
Am nächsten Tag geht’s für Adi und mich weiter ins Moränencamp. Wasem muss infolge einer schwierig zu erklärenden Basecamp-Fussverletzung den Rückweg antreten. Im Moränecamp erwartet uns ziemlich ungemütliches Wetter. Bis jetzt hat sich die Südostflanke noch nicht aus dem Nebel gewagt. Ganz alleine am Berg unternehmen wir am Nachmittag eine kleine Erkundungstour auf dem Glacier Kinzl, welchen wir am nächsten Tag zu queren haben.
Noch am selben Tag klingelt der Wecker - um 00.30 Uhr gehen wir los, der Himmel ist sternenklar, die Milchstrasse scheint zum Greifen nah zu sein. Wir sind zuversichtlich und kommen gut voran. Auf ca. 5100m beginnt die erste Spaltenzone. Leider ist Leermond und die Navigation auf dem Geltscher ist nicht sehr einfach. Zwischendurch fnden wir alte Spuren, welche aber immer wieder vor Spalten aufhören bzw. welche noch alte, nun eingestürzte Gletscherbrücken nutzten. Liegend und kniend taste ich mich teils an die Gletscherspalten heran um dessen Spaltenrand zu lokalisieren. Eine grössere Gletscherspalte können wir auf einer Zig-Zag-Brücke noch knapp überwinden. Zwischendurch müssen wir auf die nächste Ebene Hochspuren, der Schnee ist im steilen Gelände infolge des hohen Sonnenstandes nahe am Equator und des damit verbundenen steilen Sonneneinstrahlungswinkel nicht verfirnt. Der Wind hat am Berg gewütet und manche Spalten sind schwierig zu erkennen. Vor einem steilen Aufschwung treffen wir auf alte Spuren, welche einem Spaltenrand folgen. Ein nicht so gutes Zeichen, egal, wir werden sehen was uns erwartet. Es ist leider nichts Gutes - ein ca. 10m breiter und etwa 30m tiefer Riesenspalt macht sich vor uns breit. Gegen links endet er in einem Abbruch, gegen rechts erreichen wir einen dazukommenden Querspalt, welcher teilweise eingeblasen ist. Eigentlich sehen wir bereits ans Ende der Spaltenzone bzw. zum Bergschrund, doch es ist nichts zu machen. Ein Spaltensturz einer 2er Seilschaft ist sowieso schon viel heikler als bei einer 3er Seilschaft. Falls wir den Querspalt überwinden könnten, käme danach noch ein weiterer Spalt vor dem Bergschrund. Wir sind  alleine am Berg, Die Gletscherspalten sind riesig und es gibt keine Rettung hier - das Risiko ist zu hoch, wir kehren um.
Auf dem Rückweg nehme ich meine Skis vom Rucksack und mache zwischen den Gletscherspalten ein paar Schwünge am Paramount. Epic…

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